Einige Minuten später, als ich den Umzug schon als erledigt verbucht hatte und in einem der Geschäfte Rüstungen besichtigt habe, kam der Trupp vor diesem Laden aufmarschiert. Daher hier nochmals ein Set Fotos aus der Perspektive des Geschäfts:
Der Ladenbesitzer wird herausgerufen, am rechten Rand wohl ein Interview der Presse. Ein wenig auf den Knien um die Ehre zu erweisen. Der Köcher ist gut bestückt mit Qualitäts-Pfeilen. Ich habe nichts anderes erwartet. Am Ende reicht die Dame in Blau die Urkunde an den Laden weiter. Ein Streit? Oder Teil des Programms? Auf Kachelboden knien hätte man sich 1600 auch noch nicht träumen lassen. Ein Lächeln in die Runde, immerhin wird geknippst. Hmm, immer wenn wir kurz stehen bleiben kommen die Kameras....
Im März wird jedes Jahr in Matsuyamachi(松屋町) ein kleiner Umzug veranstaltet. Die Angestellten dieser Läden schmeissen sich in die historischen Uniformen und machen einen Rundgang durchs Viertel und halten vor jeden dieser Spezial-Geschäfte an und verleihen dem Besitzer für seine treuen Dienste eine Urkunde. (Zumindest sah und klang es mir mich so.)
Gerade passend zum Anfang war ich vor Ort und hörte schon von weitem die Krieger aufmaschieren. Trotzdem wurde sich an die Verkehrsregeln des 21. Jahrhundert gehalten, vielleicht weil auch das Fernsehen anwesend war und jeder der Krieger für eingeweihte eindeutig an der Uniform identifizierbar ist. Da sie keine Kammellen schmeissen mussten, konnte der Zug ohne Verzögerung zum nächsten Ladengeschäft weitermarschieren. Dort wurde eine kleine Szene aufgeführt, eine Mischung aus Karl May Festspiel, Cosplay und historischem Japanisch. Mit bebender Stimme wurde niedergekniet und der Anlass erklärt. Die historische Genauigkeit machte allerdings Halt vor der Brille. Der Schnäuzer lenkt aber die meisten Blicke erfolgreich ab. Natürlich gabs lauten Applaus zum Abschluss, man ist ja immerhin im Fernsehen. Und auf gehts zum nächsten Geschäft, auf zu Toyota!
[Da er hier schon ewig zum Überarbeiten rumliegt, jetzt aber mal endlich ran, sonst ist echt schon ein Jahr rum. Also hier der Bericht aus 2008, Version 2]
Bei meinen Reisevorbereitungen habe ich es ja noch für eine Art Festival gehalten, aber es war eher eine Art schulterklopfendes Lob für die gute Arbeit. Im Stadtteil Chūō-ku (中央区) in Osaka, zu Fuss erreichbar vom Schloss liegt die Matsuyamatchi Shopping Street(松屋町筋商店街).
In Matsuyamatchi(松屋町) reiht sich ein Geschäft fuer Samurai-Figuren, Helme und Nachbauten historischer Rüstungen an das Nächste. Da im japanischen Mittelalter jeder Offizier anhand seiner Uniform, dem Helm und dem Banner persönlich identifizierbar war, gibt es nicht wenige unterschiedliche Rüstungen. Zumal die japanische Geschichte nicht arm an Kriegerhelden, berühmten Generälen und Shogunen ist. Gerade die kriegerische Sengoku Ära der streitenden Reiche(戦国時代) hat da einiges aufzubieten und jeder, der einmal in einem japanischen Museum die Wandgemälde zu einzelnen Schlachten gesehen hat, weiss was ich meine. Die Vielzahl an unterschiedlichen Bannern und Uniformen ist nicht zu übersehen.
Gerade entdeckt und irgendwie ne nette Idee (aber eventuell nur wieder knallharte Marktsegment-Erweiterung: Samurai LEGO: Hier ein Shinto-Schrein von Chris Pockster: FLICKR: Chris Pockster
Hier drei japanische Szenerien aus der Sammlung von Mocpages:
Wie auch in Deutschland lassen sich die Leute nicht beirren und das Weihnachtsshoppen verderben durch zuviel Krisengejammer (ausser vielleicht die reihenweise entlassenen Zeitarbeiter): es wird geshoppt, dass sich die Balken biegen. Dasselbe auch in Japan: die kürzlich auf den Markt gebrachte neue Kollektion von Samurai(!)-Unterwäsche der Firma Sido für den Mann von Ehre von heute ist total ausverkauft. Für den ausländischen Höschen-Käufer wegen dem Preis von 13000 Yen auch nicht gerade billig.
Hier rechts als Beispiel die Pantsu(パンツ) von Tokugawa Ieyasu(徳川家康) und Oda Nobunaga(織田信長).