Hier im Yokohama Shopping-Center steht ein "Nutty Bavarian" und bringt Nüsschen unter die Leute. Bin mir nicht sicher, ob ich den Wortwitz sehr geil finden soll oder entsetzlich platt. Jerry Lewis wird sich aber auf jeden Fall im Grabe umdrehen...
1953, als die berühmten schwarzen Schiffe von US-Commodore Perry in Yokohama anlegten und eine Audienz beim Shogun verlangten, war Yokohama noch ein kleines Fischerdorf. Heute, 150 Jahre später, hat sich Yokohama zur drittgrößten Metropole Japan entwickelt. Anfang des Jahres hatte Yokohama 3.654.427 Einwohner, nur noch geschlagen von Tokyo mit 8.340.000. Ende April wird in Yokohama also das 150-jährige Jubiläum gefeiert und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren (übrigens steht in Nara demnächst ein 1300-jähriges Jubiläum an, aber dazu komme ich später noch). Als eine Attraktion wurde diese Woche eine Spinne aus Frankreich eingeflogen: die Cyper-Robo-Steampunk-Spinne der Performance Art-Gruppe "La Machine". Selbst wenn die Spinne nicht in irgendein Kunst-Bimbam eingebunden wäre, finde ich das Teil sehr beeindruckend, leider habe ich es ja verpasst. Am Freitagabend (17.4) gabs die erste Liveperformance des Biestes auf japanischen Boden in Yokohama vor dem berühmten roten Ziegel-Gebäude am Hafen. Achja, für die Quartett-Spieler noch die Daten: 12-Meter Hoch und 37-Tonnen Schwer, 8 Beine.
Wie? Was? Proteste gegen den Walfischfang? Damit kann der Veranstalter der Internationalen Fishing Show(つり魚水族館) in Yokohama nichts anfangen. Das diesjährige Maskottchen ist ein Wal! Naja, andererseits futtert ein Wal auch viel Fisch.
Halten Gasthäuser eigentlich immer, was die Namen versprechen oder dem phantasievollen Passanten suggerieren?
An eine Nacht im Super Hotel erinnert man sich wohl gern: Hier erwarte ich irgendwie Holzbesteck und handgeschnitzte Teller:
Wer auf den 50er-Jahre-Club "Bettys" keine Lust hat und wen eine Vampir-Strip-Bar zu sehr an From Dusk till Dawn erinnert, der kann sich wohl in der Fetisch-Bar "Zum roten Schuh" einen Sekt durch die Pumps giessen lassen:
Am 5 Mai, mitten in der Golden Week ist der japanische Feiertag Kodomo no Hi (Kindertag). Alten Braeuchen entsprechend werden an dem Tag die Karpfen-Fahnen gehisst. Die Wiki dazu: "An diesem Tag hissen die Familien die Koi-Nobori („Karpfenfahne“): eine große, schwarze für den Vater, eine rote für die Mutter, je eine blaue für jeden Jungen (oder jedes Kind). Die im Wind ähnlich einer Wetterfahne drehbar angebrachten Karpfen zollen auch vom Wunsch nach Stärke des Jungen, der wie der Karpfen gegen den Strom schwimmen muss. Außerdem werden eine Puppe von Kintarō (金太郎) auf einem großen Karpfen reitend und der tradtionelle japanische Militärhelm Kabuto zur Schau gestellt."
Wir waren zwar zur Golden Week wieder weg, aber manche in Yokohama oder Asakusa haengen die Karpfen schon etwas frueher raus.
Mein Gastspiel an der Ostkueste ist zuende, jetzt gehts ab in den Westen. Von Yokohama (a) nach Fukuoka (B). Ja, ich bin dann doch nach Fukuoka gefahren, das Wetter war so schoen, da hab ich in Hiroshima direkt den naechsten Schnellzug nach Fukuoka angehaengt.
Hmm, als wir heute Nachmittag meine Karte im Schlafwagen reservieren wollten (Yokohama -> Fukuoka, 1153.1 km), war der leider schon ausverkauft. Ich koennte aber fuer 15000 Yen Aufpreis ein Einzelzimmer haben. Das hab ich natuerlich bleiben lassen. Stattdessen also den ersten Shinkansen um 6.00 Uhr morgen frueh nach Hiroshima. Dann fliegt Fukuoka halt raus. Da 6.00 Uhr morgens in ShinYokohama losfahren aber eine 3mal Umsteigen-Geschichte von Kazusas Wohnung waere (die Mutter hatte mir eine weitere Nacht angeboten), fahre ich doch schon Abends nach Shinyokohama und bleibe bis zum Zug im Internetcafe.
Vorher gehts aber abends noch ein Restaurant mit der Familie (minus dem Vater wegen Ueberstunden). Ich nehme ein Set aus Soba-Nudeln Tempura (frittiertem Gemuese) und Sushi. Danach bin ich aber rappelvoll.
Das hier ist ein Manju(まんじゅう), eine Kugel aus suessem Reis, gefuellt mit suesser Bohnepaste. Leute, die mehr Ahnung haben, würden sagen: mit süßem Bohnenmus gefüllter gedämpfter Reiskloß: Dieser kleine Kuchen besteht nicht etwa aus Pflaumen, sondern aus Süßkartoffeln. Ist überraschend sättigend und süss. Ja, ich weiss, Süsskartofell!
Nachdem ich Rei und Martin in Hikarigaoka verlasse, mache ich mich auf nach Yokohama, wo ich eine Nacht bei Kazusas Familie unterkomme. Vom Bahnhof werden wir mit dem Auto abgeholt und das folgende Abendessen sieht so aus. Diese grossen Bentoboxen sind geliefert worden und so ueppig, das Kazusas Bruder Satoshi seine nicht schafft. Allerdings schafft er es auch nicht, die Reste zum Fruehstueck wegzuputzen. Ich gehe knapp ueber die Ziellinie, jahrelanges Training eben.
Nachdem wir unser Gepaeck in Yokohama abgeladen hatten, sind wir mit Mayumi direkt weitermarschiert in eine Kneipe japanischen Stils, eine Izakaya (居酒屋). Aber wie unterscheidet sich die von Westlichen Laeden? Der groesste Unterschied ist wohl der Tisch bzw. die fehlenden Stuehle. Der Platz unter dem Tisch ist ein Loch in das man die Beine haengt, man sitzt also unter einem Couchtisch auf dem Boden, als waers ein Esstisch. Die Snacks sind auch ganz anders, die in Deutschland ueblichen aufgebruehten Bockwueste, Frikadellen oder Nuesschen gibt es hier nicht, dafuer Soja-Irgendwas und Fisch. Die Bedienungen snd noch traditionell gekleidet, was auch zum Flair dieses japanischen Originals passt. Hier sollte man aber ohne Muttersprachler echt nicht reingehen, ich kann nur von mir ausgehen, ich waere gnadenlos verloren. ;-)
Das Ramen Museum in der Naehe des Bahnhofs Shin-Osaka enthaelt neben den normalen Nudel-Austellungsraeumen noch den Keller. Der ist ganz auf 50er Jahre gehalten (inklusive Kurosawa-Kino) und praesentiert Ramen-Laden neben Ramen-Laden, um die verschiedene Geschmacksrichtungen abzudecken. Nur der Automat zum Bezahlen faellt etwas aus dem Bild.
Der Landmark Tower(ランドマークタワー) in Yokohama ist der höchste Wolkenkratzer in Japan. Er ist 295,8 m hoch, hat 70 Stockwerke und steht im Hafen Minato Mirai 21.
Minato Mirai 21 (みなとみらい21) ist ein großes Stadtentwicklungsprojekt in Yokohama. Es wurde auf einem 110 Hektar großen Gelände aus ehemaligen Docks und Hafenanlagen und weiteren 76 Hektar aus Landgewinnungsprojekten errichtet. Blick nach Norden mit dem Landmark Tower(ランドマークタワー): Die Nippon Maru (siehe hier gesondert Beitrag): Das berühmte Hafen-Riesenrad CosmoClock 21:
Als wir vom Hafen Yokohama durch Minato 21 Richtung Landmark Tower spazierten, kamen wir in einem Park an dieser Container-Skulptur vorbei. Irgendwie traute ich der Statik dieses Teils nicht so ganz, drunterher gegangen bin ich nicht.
Insgesamt war dieser Park (es mag am eher drögen Wetter und am fast völligen Fehlen von anderen Menschen gelegen haben) eine unzusammenhängende Zusammenstellung an Kunstwerken und Stadt-Park-Architektur. Dann doch lieber klassische Parks als so einen toten Fleck.