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Sonntag, 7. Dezember 2008

Konkurrenzkampf (場所取り)

Noch ein Eintrag, der ewig hier als Entwurf rumlag, da ich nicht wusste, was damit anzufangen ist. Aber ich habe gestern Keiko gefragt; zur Sicherheit, damit ich nicht völlig falsch liege. Ursprünglich war der Name auch "Nochmal Strassenstrich".

Diese Dame in Hiroshima ist eine Kollegin von der häufig den Verkehr einwinkenden Verkehrspolizei. Ob Sie allerdings bei der Polizei angestellt ist, halte ich für fraglich. Auf jeden Fall stand sie an dieser Strassenecke und hat den Verkehr eingewunken und die Fussgänger über die Strase gelotst.

Den Aufzug die jungen Lotsin erkläre ich mir so, dass in Hiroshima einzelne Strassenecken und Übergänge in einem Konkurenz-Verhältnis zueinander stehen, wer die meisten Fussgänger über die Strasse schafft. Um in diesem harten Konkurenzkampf zu bestehen, versucht diese Lotsin es über die "MOE"-Schiene.

Naja, ich bin über diesen Zebrastreifen rübergegangen.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Miyajima(宮島) und die Moderne

Aber inzwischen ist Miyajima(宮島) ja nicht mehr nur eine Insel mit einem Schrein, sondern im Dorf nebenan hat sich die Neuzeit mit auf die Insel geschmuggelt. Das in Japan aber so häufig anzutreffende Nebeneinander von Alt und Neu stört aber nicht weiter. Da gibt es ganz andere Ecken.
Der alte und der neue Nachwächter:

Da ich sehr früh auf der Insel ankam, sind die Touristen noch überschaubar:

Zwischen Fährsteg und Schrein gibt es solche Kanäle zuhauf, wie üblich zugemoost. Ich kann aber nicht erkennen, ob es sich um VIP-Moss handelt:

Vielleicht damit die Rehe zum Trinken wenigstens mal von den Straßen runter gehen, wer weiss.

Da ich ja zur Hanamizeit dort war, hier natürlich auch ein Hanami-Bild:

Das neben der Moderne auch der Aberglaube auf Miyajima eingekehrt ist, bezeugt wohl dieser alte Baum, der die Funktion des Wunschbrunnens übernommen hat:


Das Nebeneinander von Rehen und Touristen ist auch oft sehr lustig:

Mal schauen, wie es nächstes Jahr in Nara abgeht.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Itsukushima-Schrein (厳島神社)

Der Itsukushima-Schrein (厳島神社) gilt als eine der 3 bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Japans und wurde 1993 zum UNESCO Weltkulturerbe ausgezeichnet. Ich habe es nicht nachgeschlagen, aber von meinen bisherigen Zielen ist noch mindestens Kyoto, das Friedensdenkmal in Hiroshima, Schloß Himeji und die Schreinanlage in Nikko mit auf der Liste. Eigentlich gehört der/das rote Torii auch noch mit zum Schrein.
Itsukushima(厳島) bedeutet "Tabu-Insel", was die besondere Heiligekeit des Ortes noch unterstreicht. Wenn man früher zum Schrein gefahren ist, also nicht die Touristen-Fähre genommen hat, passierte man ja erst den roten Torii im Wasser als Übergang in die sakrale heilige Welt und erreichte dann die ins Meer hineinragende Terasse des Schreins. Man betrat also niemals den Boden der Insel, es ging direkt vom Boot aus auf die Stufen des Schreins.
Leider nicht sehr gut zu sehen, die stegartige Terasse des Schreins:

Der ganze Schrein-Komplex ist auf Säulen gebaut, bei richtigem Wasserstand scheint der Schrein also zu schwimmen. Auf der Insel galt zudem früher noch ein absolutes Bauverbot, sodass das einzige Gebäude dort visuell nicht auf der Insel stand, sondern "schwamm".
Die Säulen tragen das Gebäude, wenn du Flut den gesamten Strand bedeckt:

Die Gänge und überdachte Terassen oder Flure um den Schrein herum erreichen die Gesamtlänge von über 300 Metern. Dieser Architekturstil heißt Shinden-Zukuri und ist der Palastbaustil der Heian-Zeit(平安時代), eine Epoche der japanischen Geschichte von 794–1185. In dieser Epoche ist auch die Hiragana-Schrift erfunden worden. Ein Charakteristikum dieses Baustils ist, daß um das Hauptgebäude herum symmetrisch meist noch eine Vielzahl von Nebengebäuden errichtet wurden, man also eher in Gebäude-Gruppen baute und nicht als Einzelgebäude, zumindest bei den großen, wichtigen Bauwerken.
Hier wohl einer der Hinterausgänge in Richtung Insel:

Der Hauptschrein soll im Jahre 593 gebaut worden sein. Die Form der Anlage, wie man sie heute noch sieht, stammt wohl aus dem Jahr 1118. Die japanischen Holzbauten stehen halt nicht ewig. ;-)

Da ich mir die Yen des Eintritts sparen wollte, bin ich nicht rein. Daher alle Bilder nur von Aussen.

Samstag, 18. Oktober 2008

Miyajima (宮島) bzw. Itsukushima (厳島)

Miyajima(宮島) ist ca. 30 Quadradkilometer groß und bietet mit dem roten Tor die wohl meistfotografierte Ansicht von ganz Japan. Zudem wird Miyajima zu den 3 schönsten Landschaften Japans gezählt.
Auf der Insel leben in der Gemeinde Miyajima (宮島町) ungefähr 2000 Einwohner, die wohl sehr gut von den Touristen leben können. Eigentlich heisst die Insel Itsukushima (厳島) und gar nicht Miyajima (宮島), was Schrein-Insel bedeutet. Hier wird wohl der Name vom bekanntesten Element überstrahlt. So als würde man Köln nicht mehr Köln sondern Dom-Stadt nennen oder direkt Kölle und zwar nicht als Umschreibung sondern anstelle von Köln. Und das auch so auf Landkarten eintragen. Heisst Ehrenfeld bald Moscheefeld?

Seit frühhistorischer Zeit galt die Insel als heiliger Ort, es durfte dort weder Geburten noch Todefälle geben. Zudem oder gerade deshalb duften bis zum 20.Jahrhundert Frauen die Insel nicht betreten, sie galten als zu unrein.


Auf der ganzen Insel läuft Wild (aber wohl zahm!) herum, selbst auf den touristenbelagerten Wegen zwischen Fährensteg und Torii. Auf dem Berg Misen(弥山) in Inselmitte gibt es zusätzlich noch zahme (aber nicht gezämte!) freilebende Japanmakeben-Affen, die im noch vorhandenen Urwald oder an der auf den Gipfel führenden Seilbahn mit den Menschen interagieren. Ich schätze, sogar die Affen können von den Touristen gut leben.

Die beiden berühmtesten Bauwerke der Insel sind das im Wasser stehende rote Torii und der Itsukushima-Schrein.

Torii(鳥居) heisst Vogelsitz und ist eines der Hauptelemente der traditionellen japanischen Architektur. Einen Torii-Tunnel habe ich ja schon in Kyoto besucht (siehe: http://tenkygaii.blogspot.com/2008/03/fushigi-inari-schrein.html).
Meist aus Holz oder Stein und zinnoberrot lackiert stehen sie vor Shinto-Schreinen in ganz Japan. "Jedes Torii hat zwei Querbalken: den oberen (kasagi), der auf den beiden senkrechten Säulen aufliegt, und den unteren (nuki), der durch die senkrechten Säulen hindurchgeht und sie miteinander verbindet." Der heutige Miyajima-Torii wurde 1814 gebaut, es gibt aber Aufzeichnungen, das schon in der Heian-Zeit an dieser Stelle ein Torii stand. Er symbolisiert die Grenze zwischen gegenständlicher und sakraler Welt.


Um den Itsukushima-Schrein gehts im nächsten Beitrag.

Hier die offizielle Seite von Miyajima auf Deutsch:
http://www.miyajima-wch.jp/de/pathway.html

Hier ausführliche Informationen eines Miyajima-Reiseführers:
http://www.japan-infos.de/japanreise/reisefuehrer/miyajima.html

Freitag, 17. Oktober 2008

Bootsfahrt nach Miyajima (宮島)


Wie mir gerade auffällt, habe ich ja ausser einem Bild vom Torii und den Rehen so gut wie gar nichts von Miyajima geschrieben. Ein Fauxpas ohne Gleichen, wie ich finde, ich schieben es aber mal auf die Fülle an Posts damals. ;-)

Also hier nun endlich: Miyajima:

Nach meiner Übernachtung im Internetcafe in Hiroshima furh ich morgens als erstes mit der Bahn zum Bahnhof Miyajimaguchi(宮島口), wo der Steg der Fähre ist. Die JR-Fähre nach Miyajima ist eine der wenigen Fähren in Japan, die im Japan Rail Pass inklusive sind. Aber auch sonst ist die 10 Minuten Fahrt nach Miyajima mit 170 Yen nicht so teuer.

Die Fähre fährt ca. 10 mal pro Stunde:

Ein Blick zurück zeigt eine hässliche Ansicht, die besser hinter dir liegt als vor dir, die Ablegestelle und dröge Strandbauten:

Der Blick nach vorn ist viel besser, schnell kann man das Ziel schon erkennen:

Das rote Tor kommt schnell ins Sichtfeld:

Die Anlegestelle auf Miyajima ist ins Sichtweite des berühmten roten Tors, der anschliessende Fußweg ist also recht kurz. Aber warum heisst nach Yokohama das Schiff schon wieder Nihonmaru? Ist das ein Einheitsname?

Die Fahrt kann man gut für eine Frühstück nutzen, hier bespielsweise ein Sushi-Imitat aus Huhn. Was es nicht alles gibt!

Bald der Beitrag über Miyajima...

Donnerstag, 3. April 2008

Teppanyaki Okonomiyaki

Als ich in Hiroshima fertig war und eigentlich nur noch das Probieren von Okonomiyaki Hiroshima Style auf dem Plan stand, bin ich in der Naehe des Bahnhofs in ein kleines Teppanyaki-Lokal rein.

Tepanyaki heisst, man sitzt um die Kochplatte herum und der Koch bereitet das Essen zu und quatscht.

In der Praxis wird das ganze sehr lustig, wenn noch 4 andere Gaeste da sind, die fuer ein Baseball-Spiel aus Tokyo gekommen sinb und schon besoffen (es war 16.00 Uhr!).
Beim gepflegten Tischgespraech (und einem "okay, ich probiere auch mal von dem Snaps, dem ihr trinkt") wurde mir erst Unpatriotismus vorgeworfen, weil ich mich nicht fuer Fussball interessiere. Aber als ich von den Hostessen bei der Anime Fair berichte, bin ich wieder im gruenen Bereich.


Als die 4 vor mir gehen, bezahlen sie meine ganze Rechnung mit und zusaetzlich muesse ich unbedingt noch Austern probieren.


Insgesamt sehr lustiger Abschluss in Hiroshima.

Cooles Ryokan

Diese Figuren am Haupteingang dieses Hotels haette ich am wenigsten auf Miyajima erwartet.



Shukkeien Park (縮景園)

Nach dem Schloss Hiroshima lag als naechste Station des Tages der Shukkeien Park (縮景園) auf meinem Weg.

Nicht offiziell in den Top 3 der schoensten Parks Japans (das sind
a) Kairakuen in Mito
b) Kenrokuen in Kanazawa (siehe gesonderten Eintrag)
c) Kōrakuen in Okayama )
aber auch weil das Wetter sehr parkfreundlich war, war der Shukkeien Park eine schoene Zwischenstation auf dem Rueckweg zum Bahnhof. Hier war auch die schon erwaehnte zweite Hochzeit an diesem Tag.



Ich fand den Park deutlich besser, als den hoeher bewerteten Kenrokuen in Kanazawa letzte Woche. Aber da kann auch das Wetter mit reingespielt haben.

Schloss Hiroshima (広島城)

Das Schloss Hiroshima wirkt durch die Holzfassade ganz anders als die bisher gesehenden Burgen. Ueberaschenderweise gibts den Infoflyer hier auch in Deutsch.



Hiroshima Peace Memorial Museum (平和記念資料館)

Im Friedenspark gibt es das Peace Memorial Museum (平和記念資料館), gegründet 1955. Es stellt die Fakten zur Hiroshima Atom-Bombe zusammen und Folgen. Es ist eines der Standard-Ziele für Schulausflüge, und natürlich auch für die Hiroshima Touristen.


Aus der englischsprachigen Version der Broschüre: "The Peace Memorial Museum collects and displays belongings left by the victims, photos, and other materials that convey the horror of that event, supplemented by exhibits that describe Hiroshima before and after the bombings and others that present the current status of the nuclear age. Each of the items displayed embodies the grief, anger, or pain of real people. Having now recovered from the A-bomb calamity, Hiroshima's deepest wish is the elimination of all nuclear weapons and the realization of a genuinely peaceful international community."


Neben er - und aufklärenden Tafeln gibt es auch viele Fotografien und originale Exponate zu sehen.



In der Explosion geschmolzene Gegenstände:



Das Exizentrum über einem Model Hiroshimas nach der Bombe:



Den einen oder anderen Grusel-Effekt konnte man sich aber nicht verkneifen, im Raum, der eine typische Strasse nach der Explosion nachbildet, stehen einige Opfer, als sei es eine Geisterbahn.